Dein Betrieb läuft. Die Arbeit ist sauber, die Kunden sind zufrieden, Empfehlungen kommen rein. Und trotzdem kennt dich außerhalb deiner Stammkundschaft kaum jemand. Spätestens wenn der Wettbewerber im Ort plötzlich auf jedem Ortsschild klebt, taucht die Frage auf: Brauchen wir sowas auch?
Wer nach einer Imagekampagne fürs Handwerk sucht, landet zuerst beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Dessen bundesweite Kampagne läuft seit 2010, wirbt im Fernsehen für dein Gewerk und kostet dich keinen Cent. Nur beantwortet dort niemand die Frage, die dich wirklich interessiert: Was bringt das deinem Betrieb, und wann lohnt sich eine eigene Kampagne?
Genau darum geht es hier. Mit Zahlen, die du nachrechnen kannst.
🧭 Was die Imagekampagne des Handwerks eigentlich ist
Hinter der Imagekampagne steht der Zentralverband des Deutschen Handwerks, kurz ZDH, gemeinsam mit den Handwerkskammern. Seit 2010 arbeitet die Kampagne daran, ein modernes Bild des Handwerks in die Öffentlichkeit zu bringen. Bekannt geworden ist sie mit dem Claim „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan."
Die Kampagne läuft in Staffeln, jede mit eigenem Motto. 2025 hieß es „Wir können alles, was kommt", seit März 2026 lautet das Leitmotiv „Wir machen Karriere mit Gefühl". Gezeigt werden Menschen, die ihren Beruf aus Überzeugung machen, quer durch die über 130 Ausbildungsberufe des Handwerks.
Gesendet wird breit: TV-Spots, Radio, Plakate, Online-Werbung, Social Media, dazu Aktionen wie der Tag des Handwerks. Das Ziel ist ausdrücklich nicht, einzelnen Betrieben Aufträge zu verschaffen. Die Kampagne soll das Handwerk als Ganzes stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken und vor allem junge Menschen für eine Ausbildung gewinnen. Finanziert wird das über die Beiträge, die dein Betrieb ohnehin an seine Handwerkskammer zahlt.
❓ Bringt die große Kampagne deinem Betrieb Anfragen?
Ehrliche Antwort: Nein, jedenfalls nicht direkt.
Die Kampagne verbessert das Image des Handwerks insgesamt. Sie sorgt dafür, dass ein Vater seinem Sohn die Lehre nicht mehr ausredet und dass „Handwerk" nicht mehr nach Plan B klingt. Das ist wertvoll. Nur steht am Ende eines TV-Spots kein Telefon, das bei dir klingelt.
Nimm Thomas, Dachdeckermeister mit zwölf Mitarbeitern, den Betrieb gibt es seit über dreißig Jahren. Er hat die Kampagnenplakate im Schaufenster hängen, den Aufkleber am Firmenwagen, das Logo im Briefkopf. Trotzdem ruft niemand an, weil er den Spot gesehen hat. Die Leute, die ein neues Dach brauchen, tippen „Dachdecker" plus Ortsname bei Google ein. Und dort taucht Thomas nicht auf.
Was du daraus mitnimmst: Nutze das, was dir die Kampagne kostenlos gibt, und baue parallel deine eigene Sichtbarkeit auf. Wie dein Betrieb dabei aufgestellt sein sollte, zeigen wir auf unserer Übersicht für Handwerksbetriebe.
🎁 Werbeportal des Handwerks: kostenloses Material für deinen Betrieb

Der praktischste Teil der ganzen Sache ist das Werbeportal. Dort liegen die Kampagnenmotive für Betriebe bereit, kostenfrei und mit deinem eigenen Logo personalisierbar.
Was du dort bekommst:
- Plakate und Anzeigenmotive in verschiedenen Formaten, die du mit deinem Firmennamen versehen kannst
- Social-Media-Vorlagen für Instagram und Facebook, fertig zugeschnitten
- Fahrzeugbeschriftungen, Aufkleber und Werbemittel im Kampagnendesign
- Kampagnenfilme und Spots, die du auf deiner Webseite einbinden darfst
- Die Handwerk-Video-App, mit der du eigene Clips im Kampagnen-Look produzierst
- Vorlagen für Stellenanzeigen, die auf die Azubi-Suche zugeschnitten sind
Den Zugang bekommst du über deine Handwerkskammer oder direkt über das Werbeportal des Handwerks. Für einen Betrieb, der bisher gar nichts hatte, ist das der günstigste Einstieg überhaupt: professionelles Material zum Nulltarif. Welche Kanäle du damit bespielen solltest, haben wir in unserem Beitrag zu den wichtigsten Marketing-Kanälen im Handwerk aufgeschlüsselt.
💰 Was eine eigene Imagekampagne kostet

Jetzt zur Frage, die du wahrscheinlich im Kopf hattest, als du hier gelandet bist. Was kostet es, den eigenen Betrieb bekannt zu machen?
Grobe Hausnummern für einen Betrieb mit fünf bis fünfzehn Mitarbeitern in einer mittelgroßen Stadt:
- Plakatwerbung regional: etwa 300 bis 900 Euro pro Monat für eine Handvoll Standorte, dazu einmalig Gestaltung und Druck
- Lokales Radio: ab rund 1.500 Euro für eine Woche mit brauchbarer Frequenz, plus Produktion des Spots
- Fahrzeugbeschriftung: 800 bis 2.500 Euro einmalig pro Fahrzeug, danach läuft sie jahrelang mit
- Imagefilm: 2.500 bis 8.000 Euro einmalig, je nach Drehtagen und Aufwand
- Anzeigen im Wochenblatt: 150 bis 600 Euro pro Schaltung, sinnvoll nur bei regelmäßiger Wiederholung
- Sponsoring beim örtlichen Verein: 500 bis 3.000 Euro pro Saison, dafür Trikot, Bande und viel Wohlwollen
Das ist der eigentliche Haken an klassischer Imagewerbung. Sie ist nicht schlecht, sie ist nur blind. Du siehst nicht, was sie bringt. Zum Vergleich: Für dasselbe Geld läuft bei Google und Meta ein halbes Jahr Werbung, bei der du jede einzelne Anfrage bis zum Klick zurückverfolgen kannst. Welcher Kanal für deinen Betrieb der richtige ist, klärt unser Vergleich Google oder Facebook Werbung. Einen breiteren Überblick über alle Hebel gibt der Beitrag zum Marketing für Handwerker.
🎯 Imagewerbung oder Anfragen-Werbung? Der Unterschied entscheidet über dein Budget
Beide heißen umgangssprachlich Werbung. Sie machen aber zwei völlig verschiedene Jobs, und genau da verbrennen die meisten Betriebe ihr Budget.
Imagewerbung arbeitet auf Bekanntheit und Vertrauen:
- Zielgruppe: alle in deiner Region, unabhängig vom aktuellen Bedarf
- Wirkung: baut sich über Monate auf und hält lange
- Messbarkeit: schwach, du merkst es allenfalls an Nebensätzen im Kundengespräch
- Passt, wenn: du bereits Anfragen hast und dich als Marke abheben willst
Anfragen-Werbung arbeitet auf konkrete Aufträge:
- Zielgruppe: nur Leute, die gerade nach deiner Leistung suchen
- Wirkung: greift innerhalb von Tagen
- Messbarkeit: exakt, bis auf Kosten pro Anfrage heruntergerechnet
- Passt, wenn: du Kapazitäten frei hast und Aufträge brauchst
Wie Anfragen-Werbung im Detail funktioniert, erklären wir Schritt für Schritt unter Wie funktionieren Google Ads. Was wir konkret für Handwerksbetriebe umsetzen, findest du auf unserer Seite zu Werbung für Handwerker.
🚀 5 Hebel, die deinem Betrieb mehr bringen als eine Imagekampagne

Bevor du über Plakate nachdenkst, arbeite diese Liste ab. Sie kostet zusammen weniger als eine Woche Radiowerbung und wirkt länger.
- Google Unternehmensprofil vollständig ausbauen. Für die meisten Handwerksbetriebe ist das der stärkste kostenlose Hebel überhaupt. Leistungen, Einzugsgebiet, Öffnungszeiten, echte Fotos von echten Baustellen. Wie du es richtig aufsetzt, steht im Beitrag zum Google Unternehmensprofil optimieren.
- Systematisch Bewertungen sammeln. Vier Sterne bei zwölf Bewertungen schlagen fünf Sterne bei dreien. Und sie schlagen jedes Plakat, weil sie genau dann sichtbar sind, wenn jemand sich entscheidet. Unser Leitfaden zeigt, wie du Google Bewertungen als Handwerker sammelst, ohne dass es aufdringlich wirkt.
- Webseite auf Anfragen ausrichten. Eine Seite, die nur hübsch ist, bringt nichts. Sie braucht eine Telefonnummer, ein kurzes Formular, Referenzbilder und klare Leistungen. Welche Bausteine drin sein müssen, haben wir in den wichtigsten Elementen einer Handwerker-Webseite gesammelt.
- Lokale Suchanzeigen schalten. Wer heute „Heizung defekt" plus Stadt eingibt, ruft in den nächsten zwanzig Minuten jemanden an. Dort sichtbar zu sein ist kein Image, das ist Umsatz.
- Anfragen schnell beantworten. Der häufigste Grund für verlorene Aufträge ist nicht der Preis, sondern eine zu späte Rückmeldung. Wer innerhalb von fünf Minuten reagiert statt am nächsten Werktag, gewinnt deutlich häufiger den Zuschlag.
Wie diese Bausteine zusammenspielen, zeigt unsere Seite zum Online-Marketing für Handwerker.
👥 Image als Recruiting-Hebel: wenn keine Bewerbungen kommen
Es gibt einen Fall, in dem sich Imagearbeit für deinen Betrieb sofort rechnet: die Suche nach Personal.
Genau dafür ist die bundesweite Kampagne gebaut. Sie zeigt junge Menschen, die im Handwerk etwas aufbauen, und macht die Karrieremöglichkeiten im Handwerk sichtbar, vom Gesellen über den Meister bis zum eigenen Betrieb. Bei über 130 Ausbildungsberufen ist da für fast jedes Interesse etwas dabei.
Dein Teil davon ist die lokale Übersetzung. Ein Azubi entscheidet sich nicht für „das Handwerk", er entscheidet sich für einen Betrieb, bei dem es gut aussieht. Zeig also, wie es bei euch wirklich läuft: das Team beim Richtfest, der Azubi im zweiten Lehrjahr, der Meisterbrief an der Wand. Genau diese Inhalte kannst du mit den Vorlagen aus dem Werbeportal aufziehen, ohne einen Grafiker zu bezahlen.
Wie eine Stellenanzeige aussehen muss, die tatsächlich Bewerbungen bringt, steht in unserem Beitrag zur Mitarbeitergewinnung im Handwerk. Wie du deinen Betrieb als Arbeitgeber positionierst, zeigen wir unter Employer Branding für Handwerksbetriebe.
✅ Fazit: Wann sich eine Imagekampagne für dich lohnt
Die bundesweite Imagekampagne des Handwerks ist gut für dein Gewerk und praktisch für dich, weil du kostenlos an professionelles Material kommst. Nutze das Werbeportal, es kostet dich nichts außer einer halben Stunde.
Eine eigene Imagekampagne lohnt sich, wenn zwei Dinge zutreffen: Deine Auftragslage stimmt bereits, und du willst Bewerber gewinnen oder dich als Marke in der Region absetzen. Fehlen dir dagegen Anfragen, steckst du dasselbe Geld besser in Sichtbarkeit, die du messen kannst. Google Unternehmensprofil, Bewertungen, eine Webseite, die Anfragen produziert, und lokale Anzeigen.
Thomas hat übrigens beides gemacht. Erst die messbaren Hebel, danach das Sponsoring beim Fußballverein. In der Reihenfolge funktioniert es.
Du willst wissen, welcher Hebel bei deinem Betrieb der größte ist? Buch dir eine kostenlose Marketing-Analyse. Wir schauen uns dein Setup an und sagen dir konkret, wo dein nächster Euro am meisten bringt.