Die Anzeige ist seit sechs Wochen online. Zwei Bewerbungen sind gekommen, beide passen nicht. Kennst du das? Dann liegt es oft nicht allein am Fachkräftemangel, sondern an der Anzeige selbst. Wer eine Stellenanzeige schreiben will, die Handwerker wirklich lesen, muss anders formulieren als ein Konzern mit Personalabteilung.
So ging es auch Florian, Malermeister mit fünf Mitarbeitern auf dem Land. Seine Anzeige für einen Gesellen las sich wie ein Formular: Aufgaben, Anforderungen und am Ende „Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen“. Kein Lohn, kein Ansprechpartner, keine Telefonnummer.
In diesem Beitrag bekommst du den Aufbau einer guten Stellenanzeige, ein komplettes Beispiel für einen Malergesellen und eine Vorlage, die du für dein Gewerk anpassen kannst.
🧭 Warum viele Stellenanzeigen im Handwerk keine Bewerber bringen

Gute Gesellen sind selten auf aktiver Jobsuche. Sie haben einen Job, und meistens ist der gar nicht schlecht. Abends scrollen sie auf dem Sofa durchs Handy und bleiben nur hängen, wenn ihnen etwas sofort ins Auge fällt. Auf dem Arbeitsmarkt für Fachkräfte bist du als Betrieb also derjenige, der sich bewerben muss.
Die meisten Stellenanzeigen machen genau das Gegenteil. Sie zählen auf, was der Kandidat alles mitbringen soll, und verstecken das Angebot ganz unten. Dazu kommen leere Sprüche, die im Handwerk niemand ernst nimmt: „dynamisches Team“, „flache Hierarchien“, „spannende Herausforderungen“. Jobsuchende lesen darüber einfach hinweg.
Behandle deine Anzeige wie Werbung für deinen Betrieb, denn genau das ist sie. Mehr zu den typischen Ursachen liest du im Beitrag Mitarbeiter finden, wenn sich niemand bewirbt.
🎯 Bevor du die Stellenanzeige schreibst: Wen suchst du wirklich?
Kläre zuerst deine Zielgruppe. Suchst du einen erfahrenen Gesellen, der allein auf die Baustelle fährt? Oder einen Quereinsteiger, den du anlernen willst? Das ändert Ton, Inhalt und den Kanal, über den du ihn erreichst.
Leg danach ein kurzes Anforderungsprofil fest und trenne streng: Was ist Pflicht, was wäre nur schön? Der Führerschein Klasse B ist vielleicht Pflicht, drei Jahre Berufserfahrung oft nicht. Jede unnötige Anforderung schreckt potenzielle Bewerber ab, die eigentlich gut passen würden.
Frag dich außerdem: Was nervt Gesellen bei ihrem jetzigen Arbeitgeber? Unbezahlte Überstunden, lange Anfahrten, kaputtes Werkzeug, ein Chef, der nur meckert. Wenn du das besser machst, gehört es in die Anzeige. Wie du solche Stärken als Arbeitgebermarke sichtbar machst, zeigen wir im Beitrag Employer Branding für kleine Handwerksbetriebe.
📋 Aufbau: Das gehört in eine gute Stellenanzeige

Die perfekte Stellenanzeige folgt einer einfachen Reihenfolge. Sie orientiert sich am AIDA-Prinzip aus der Werbung: erst Aufmerksamkeit, dann Interesse, dann der Wunsch und am Ende die Handlung, also die Bewerbung.
Jobtitel: klar und suchbar
Der Jobtitel entscheidet, ob überhaupt jemand klickt. Schreib den Beruf so, wie Bewerber ihn suchen: „Maler und Lackierer (m/w/d) in Musterstadt“ statt „Fachkraft Oberflächengestaltung“. Der Ort gehört dazu, denn kaum ein Geselle pendelt jeden Tag 60 Kilometer.
Einstieg: Wer seid ihr?
Zwei bis drei Sätze reichen. Wie groß ist der Betrieb, welche Aufträge macht ihr, wie ist die Unternehmenskultur? Lieber konkret als allgemein: „Wir sind ein Malerbetrieb mit sechs Leuten und streichen seit über 20 Jahren Wohnungen und Fassaden für Privatkunden in der Region.“
Aufgaben: konkret statt allgemein
Die Aufgabenbeschreibung zeigt, wie ein normaler Arbeitstag aussieht. Nenn echte Projekte: Fassaden an Einfamilienhäusern, Renovierungen in Privatwohnungen, Bodenbeläge. So kann sich der Leser vorstellen, bei dir zu arbeiten.
Das bietest du: nach vorne damit
Hier entscheidet sich die Bewerbung. Zieh deine Benefits nach oben, direkt hinter den Einstieg, und mach sie konkret: Firmenwagen auch privat, feste Arbeitszeiten, gutes Markenwerkzeug, bezahlte Überstunden.
Anforderungen: kurz halten
Vier bis fünf Punkte als Auflistung mit Aufzählungszeichen reichen. Alles, was du selbst anlernen kannst, fliegt raus.
Bewerbung: so einfach wie möglich
Der Bewerbungsprozess ist oft der größte Bremsklotz. Kaum ein Geselle schreibt abends ein Anschreiben. Biete eine Kurzbewerbung an: Name, Telefonnummer, ein paar Klicks oder eine WhatsApp-Nachricht. Nenn einen echten Ansprechpartner mit Namen und Handynummer. Wie leicht es Bewerbern bei dir gemacht wird (die sogenannte Candidate Experience), entscheidet oft darüber, ob aus Interesse eine echte Bewerbung wird.
⚠️ Was in einer Stellenanzeige nicht stehen darf
Schreib stattdessen „gute Deutschkenntnisse“ oder „ein eingespieltes Team“. Einen Überblick über die Regeln gibt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.
💡 Beispiel: Stellenanzeige für Maler und Lackierer (m/w/d)

Florians alte Anzeige begann so: „Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Maler- und Lackierergesellen. Ihre Aufgaben: Ausführung sämtlicher Maler- und Lackierarbeiten. Ihr Profil: abgeschlossene Ausbildung, mehrjährige Berufserfahrung, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit.“ Danach kam nichts Konkretes mehr.
Maler und Lackierer (m/w/d) in Vollzeit, Raum Musterstadt
Bei uns streichst du keine Lagerhallen im Akkord. Wir sind ein Malerbetrieb mit sechs Leuten und machen vor allem Wohnungen und Fassaden für Privatkunden aus der Region.
Das bekommst du bei uns:
- 18 bis 21 Euro pro Stunde, je nach Erfahrung
- Firmenwagen, den du auch privat nutzen darfst
- Feste Zeiten: Montag bis Donnerstag bis 16 Uhr, freitags bis 13 Uhr
- Baustellen im Umkreis von 30 Kilometern, keine Montage
- Gutes Markenwerkzeug und ordentliche Gerüste
Das machst du:
- Innenräume und Fassaden streichen, tapezieren und spachteln
- Bodenbeläge verlegen
- Kleinere Baustellen eigenständig führen
Das bringst du mit:
- Abgeschlossene Ausbildung als Maler und Lackierer
- Führerschein Klasse B
So bewirbst du dich: Schick Florian eine WhatsApp an [Handynummer] oder ruf einfach an. Kein Anschreiben, kein Lebenslauf.
Als Vorlage für dein Gewerk tauschst du Beruf, Lohn, Aufgaben und Kontakt aus. Die Reihenfolge bleibt gleich, denn sie sorgt dafür, dass die Anzeige auf dem Handy übersichtlich und ansprechend wirkt.
🚀 Wo du deine Stellenanzeige veröffentlichst
Die beste Anzeige bringt nichts, wenn sie niemand sieht. Drei Orte haben sich bewährt:
- Deine eigene Karriereseite: Hier gehört jedes Jobangebot hin. Mit den passenden Keywords im Jobtitel und sauberer Technik erscheint sie auch bei Google for Jobs. Diese Auffindbarkeit über SEO kostet dich nur die einmalige Einrichtung.
- Jobbörsen und Jobportale: sinnvoll als Ergänzung, aber oft teuer, und du stehst neben vielen anderen Stellenausschreibungen.
- Social Recruiting: Anzeigen auf Facebook und Instagram erreichen genau die Gesellen, die nicht aktiv suchen. Mehr zu Kosten und Kanälen liest du in Mitarbeiter-Recruiting für kleine Betriebe.
Wenn dir für das Recruiting die Zeit fehlt, übernehmen wir die Mitarbeitergewinnung für dich.
✅ Fazit: Schreib für Gesellen, nicht für die Personalabteilung
Eine Stellenanzeige im Handwerk wirkt, wenn sie ehrlich, konkret und einfach ist. Ein klarer Jobtitel mit Ort, Lohn und Benefits weit oben, wenige Anforderungen und eine Bewerbung, die zwei Minuten dauert: Mehr braucht es nicht, um aus Lesern Bewerber zu machen. Nimm dir deine aktuelle Anzeige vor und geh sie Punkt für Punkt durch. Weitere Wege zu neuen Mitarbeitern findest du in unserem Ratgeber zur Mitarbeitergewinnung im Handwerk.
Du willst wissen, warum bei dir kaum Bewerbungen ankommen? In unserer kostenlosen Marketing-Analyse schauen wir uns deine Anzeige, deine Karriereseite und deine Kanäle an und zeigen dir, wo du ansetzen kannst.