Zweimal im Jahr klingelt in jeder Werkstatt das Telefon durch. Dann kommt die Flaute. Wer beim Reifenwechsel nur reagiert, verschenkt genau die Wochen, in denen die Nachfrage von allein da ist.
Die Zahlen sind eindeutig: Im November suchen in Deutschland rund 22.200 Menschen pro Monat nach "Reifenwechsel", im Oktober 18.100, im April 14.800. Im Februar und im Juli sind es 4.400. Zwischen Hoch und Tief liegt der Faktor fünf. Diese Kurve entscheidet, wie voll dein Kalender im vierten Quartal ist.
Michael Ritter führt einen KFZ-Meisterbetrieb mit sechs Mitarbeitern und eigenem Reifenservice. Sein Problem ist nicht die Nachfrage. Sein Problem ist, dass die Nachfrage in drei Wochen komprimiert ankommt, während im Januar die Hebebühne leer steht. Zwei Monteure arbeiten Überstunden, danach fehlt die Auslastung. Genau diese Kurve lässt sich glätten, und zwar mit Vorlauf statt mit mehr Werbebudget.
Die folgenden sieben Schritte sind der Fahrplan dafür.
🧭 Warum die Reifenwechsel-Saison dein wichtigster Umsatz-Hebel ist
Der saisonale Reifenwechsel ist die einzige Werkstattleistung, die praktisch jeder Autofahrer zweimal im Jahr braucht. Kein Schaden, kein Defekt, keine Überzeugungsarbeit. Der Kunde kommt, weil das Wetter kommt.
Damit ist der Radwechsel der günstigste Türöffner, den du hast. Kein anderer Anlass bringt dir zweimal im Jahr dasselbe Fahrzeug auf die Bühne. Ein Kunde, der wegen der Winterreifen auf den Hof fährt, bringt sein Fahrzeug in deine Halle, ohne dass du ihn von irgendetwas überzeugen musst. Was danach passiert, entscheidet über den Umsatz: bleibt es beim Wechsel der Reifen für 40 Euro, oder wird daraus Inspektion, Bremsen und Einlagerung.
Der zweite Punkt ist die Bindung. Wer seine Sommer- und Winterreifen bei dir einlagert, kommt zwangsläufig wieder. Er kann gar nicht anders, seine Kompletträder stehen in deinem Regal. Das ist kein Marketing, das ist Logistik, die für dich arbeitet.
Wie du diese Basis grundsätzlich aufbaust, steht ausführlich im Beitrag zum Marketing für die KFZ-Werkstatt. Hier geht es um die Saison selbst.
📊 Wann die Nachfrage nach dem Reifenwechsel anspringt
Die alte Merkregel lautet "von Oktober bis Ostern". Sie stimmt noch, aber die Suchanfragen kommen früher als der Termin. Menschen recherchieren nach dem optimalen Zeitpunkt, bevor sie anrufen. Der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen wird im Netz vorbereitet und erst danach gebucht.
- August, 5.400 Suchanfragen: Kundenliste sortieren, Preise für Montage und Einlagerung festlegen
- September, 8.100: Erinnerungen an die Einlagerungskunden raus, Google-Profil aktualisieren
- Oktober, 18.100: Anzeigen laufen, Samstagstermine öffnen
- November, 22.200: Spitze abarbeiten, bei jedem Fahrzeug die Zusatzaufträge prüfen
- Dezember, 6.600: Nachzügler einsammeln, Bewertungen anfragen
- Februar, 4.400: Frühjahrssaison vorbereiten
- März, 12.100: Erinnerungen für den Wechsel auf Sommerreifen, Profiltiefe der Sommerreifen prüfen
- April, 14.800: Spitze abarbeiten, Klimaservice mitverkaufen
Die Temperaturregel hilft bei der Kommunikation: Unter sieben Grad verliert eine Sommerreifen-Gummimischung deutlich an Haftung. Der ADAC empfiehlt daher den Wechsel, wenn die Temperaturen dauerhaft darunter liegen. Das ist ein Argument, das Kunden verstehen, und es ist kein Verkaufsargument, sondern Fahrsicherheit.
In Deutschland gilt keine Winterreifenpflicht nach Datum, sondern eine situative: Bei Glatteis, Schneematsch oder Reifglätte darf nur mit M+S-gekennzeichneten Reifen gefahren werden. Das ist für dich ein Kommunikationsvorteil, weil die Witterungsbedingungen und nicht der Kalender den Termindruck erzeugen. Sobald die Wetterverhältnisse in der Region kippen, willst du der Betrieb sein, der noch Slots frei hat.
Zweites Argument für das Gespräch: die Lebensdauer der Reifen. Autoreifen altern auch im Regal. Ab sechs Jahren wird die Gummimischung hart, ab zehn Jahren gehören sie unabhängig vom Profil getauscht. Ein Blick auf die DOT-Nummer der eingelagerten Kompletträder im September zeigt dir, bei welchen Kunden im Herbst ein Satz neue Reifen ansteht. Das ist Umsatz, den du planen kannst, statt ihn am Wechseltag zu improvisieren.
Ein Wort zu Ganzjahresreifen: Sie nehmen dir einen von zwei Terminen pro Jahr weg. Wenn immer mehr deiner Kunden auf Allwetterreifen umsteigen, sinkt dein Saisongeschäft, ohne dass du etwas falsch gemacht hast. Umso wichtiger ist, dass die Kunden, die saisonal wechseln, verlässlich bei dir landen.
📬 Schritt 1 und 2: Einlagerungskunden zuerst, dann Neukunden

Der teuerste Fehler in der Saison ist, Werbebudget für Menschen auszugeben, die schon in deiner Kundendatei stehen.
Schritt 1 ist die Einlagerungsliste. Jeder Kunde, dessen Räder bei dir stehen, bekommt drei bis vier Wochen vor dem Anstieg eine kurze Nachricht mit zwei oder drei konkreten Terminvorschlägen und einem Link für den Wunschtermin. Nicht "melden Sie sich bei Bedarf", sondern "Donnerstag 8:30 oder Samstag 10:00, was passt besser". Diese Kunden füllen dir die Randzeiten, bevor die Spitze überhaupt beginnt.
Schritt 2 ist der restliche Bestand. Alle Kunden mit einem Fahrzeug in der Kartei, die im letzten Jahr keinen Radwechsel bei dir hatten, bekommen die gleiche Nachricht mit einem klaren Preis. Per E-Mail und zusätzlich per SMS, weil SMS in dieser Zielgruppe gelesen wird.
🚀 Schritt 3: Google Ads für Reifenwechsel und Radwechsel

Erst wenn der Bestand angeschrieben ist, lohnt bezahlte Werbung. Sie soll die Lücken füllen, nicht den Grundbedarf decken. Zielgruppe sind Autofahrer, die ihre Reifen wechseln lassen wollen und noch keine Werkstatt haben.
Der Aufbau ist bewusst schmal:
- Eine Suchkampagne, Radius 15 bis 25 Kilometer um den Betrieb
- Keywords rund um "Reifenwechsel Werkstatt", "Reifenwechsel Termin online" und "Reifenwechsel in der Nähe", als Phrase, nicht weitgehend passend
- Ausschluss von "selber", "Anleitung", "Werkzeug", "Schlagschrauber", "Wagenheber", sonst zahlst du für Heimwerker
- Anzeigentext mit Preis und Terminverfügbarkeit, nicht mit "kompetent und zuverlässig". "Reifenwechsel in der Werkstatt, Samstag noch frei, 39 Euro" schlägt jede Adjektivkette
- Eine zweite Anzeigengruppe für Kunden, die den passenden Reifen erst suchen, also "neue Winterreifen" und "Autoreifen wechseln" statt nur Radwechsel
- Anruf-Erweiterung plus Standort-Erweiterung, weil ein großer Teil der Suchen mobil passiert
- Laufzeit exakt auf die Kurve gelegt: Mitte September bis Ende November, dann Pause
Wenn Google Ads für dich neu ist, hilft die Einführung wie Google Ads funktionieren. Wer das nicht selbst aufsetzen will, findet die Details unter Werbung für Autowerkstätten.
📍 Schritt 4: Google Unternehmensprofil als Terminmaschine für den Reifenservice

Ein großer Teil der lokalen Suchen endet nie auf einer Webseite. Er endet im Kartenausschnitt oben in den Suchergebnissen. Wer dort nicht sauber aufgestellt ist, existiert für die Saison nicht.
Das gehört vor September erledigt:
- Die Leistungen "Reifenwechsel", "Reifenmontage", "Reifeneinlagerung" und "Auswuchten" einzeln im Profil angelegt, jeweils mit kurzer Beschreibung
- Ein Saison-Beitrag mit Preis und Terminhinweis, alle zwei Wochen erneuert
- Buchungs- oder Terminlink direkt im Profil, damit aus der Suche ohne Anruf ein Termin wird
- Aktuelle Fotos von der Montage und vom Reifenlager, keine Symbolbilder
- Erweiterte Öffnungszeiten, wenn du in der Spitze samstags arbeitest, sonst kommt niemand
Der komplette Ablauf steht im Beitrag zur Optimierung des Google Unternehmensprofils.
⚡ Schritt 5: Termine annehmen statt Anrufe verpassen
In der Saisonspitze sind alle Monteure am Fahrzeug und niemand am Telefon. Der Kunde, der beim dritten Klingeln auflegt, ruft nicht zurück. Er ruft die nächste Werkstatt an.
Drei Dinge lösen das Problem:
Eine Online-Terminbuchung auf der eigenen Seite, die freie Slots anzeigt und den Wunschtermin sofort bestätigt. Kein Formular, das nur eine Anfrage auslöst, sondern ein echter Termin. Welche Inhalte eine Werkstattseite dafür braucht, steht unter Inhalte für die Autowerkstatt-Website.
Eine Rückrufregel für alles, was trotzdem telefonisch kommt: verpasster Anruf, automatische SMS mit Terminlink innerhalb von zwei Minuten. Warum die Reaktionszeit über den Auftrag entscheidet, zeigt der Beitrag zu Speed to Lead.
Eine Annahme, die auch um 19 Uhr funktioniert. Ein KI-Assistent nimmt in der Spitze das ab, wofür kein Mitarbeiter Zeit hat: Terminvorschlag, Fahrzeugdaten, Bestätigung. Wie das im Werkstattalltag aussieht, steht unter KI-Automation für Autowerkstätten.
💡 Schritt 6: Aus einem Radwechsel drei Aufträge machen

Hier entscheidet sich, ob die Saison Umsatz bringt oder nur Arbeit. Das Fahrzeug ist auf der Bühne, die Räder sind ab, der Blick auf Bremsen und Fahrwerk ist frei. Diese Gelegenheit hast du sonst nie so günstig.
Ein fester Prüfablauf bei jedem saisonalen Reifenwechsel, dokumentiert und dem Kunden gezeigt:
- Profiltiefe der abgenommenen Räder je Achse messen und notieren. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 mm, für Winterreifen gilt 4 mm als Empfehlung, unter 3 mm wird es kritisch. Diese Profiltiefe schreibst du auf den Auftrag, dann diskutiert im Frühjahr niemand mehr
- Ungleichmäßige Abnutzung der Reifen notieren. Einseitige Abnutzung deutet auf Fahrwerk, Achse oder falschen Luftdruck hin und ist der Einstieg in die Achsvermessung
- Bremsscheiben und Beläge auf Verschleiß prüfen
- RDKS prüfen: Batterie im Sensor hält je nach Modell fünf bis sieben Jahre, der Tausch gehört auf den Kostenvoranschlag statt in die Reklamation
- Reifendruck korrekt einstellen und die Räder fachgerecht auswuchten. Das Auswuchten der Reifen ist der Punkt, an dem sich die Werkstatt vom Selbstwechsler unterscheidet: Ein nicht korrekt ausgewuchtetes Rad kommt als Vibrationsbeschwerde zurück und kostet dich einen Termin, den du in der Spitze nicht hast
- Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen und den Kunden auf den Nachziehtermin hinweisen
- Im Frühjahr zusätzlich den Klimaservice ansprechen, im Herbst Batterie und Beleuchtung
Wenn neue Reifen fällig sind, entscheidet sich am selben Tag, ob du sie verkaufst oder der Reifendiscounter im Nachbarort. Das Fahrzeug steht bereits bei dir, die Räder sind ab. Wer den Reifen auf die Felge montieren kann und die Größe im Lager hat, verkauft ihn. Aufziehen, auswuchten, montieren, fertig, alles in derselben Standzeit. Wer den Kunden mit einem Angebot nach Hause schickt, sieht ihn mit fremd aufgezogenen Reifen wieder. Halte deshalb die gängigen Größen für Winter- und Sommerreifen in kleiner Stückzahl vor, statt jede Felge einzeln zu bestellen.
🔧 Reifenmontage und RDKS: Selbstwechsler sind keine verlorenen Kunden
Ein Teil deiner Nachbarschaft wechselt die Kompletträder selbst. Wagenheber und Radkreuz liegen im Keller, der Reifenwechsel in der Werkstatt gilt als überflüssige Ausgabe. Diese Gruppe abzuschreiben ist ein Fehler, denn sie kommt an drei Stellen an ihre Grenze.
Erstens beim RDKS: Nach dem Tausch müssen die Sensoren angelernt werden, und wenn die Batterie im Sensor leer ist, braucht es Ersatz und Diagnosegerät. Zweitens beim Felgenschloss und beim Drehmoment: Für den Radbolzen mit Felgenschloss fehlt oft der Adapter, und ein mit dem Radkreuz nach Gefühl angezogener Radbolzen ist ein Sicherheitsrisiko. Drittens bei allem, was Maschine braucht: Reifenmontage auf die Felge, Auswuchten, Entsorgung der Altreifen.
⭐ Schritt 7: Nach dem Termin Bewertung und Wiederkehr sichern
Der Kunde ist am zufriedensten, wenn er das Fahrzeug abholt. Genau dann fragst du nach der Bewertung, nicht drei Wochen später per Serienmail.
Zwei Handgriffe reichen:
Die Bewertungsanfrage geht am selben Tag raus, mit direktem Link zum Profil. In der Saison sammelst du so in sechs Wochen mehr Bewertungen als im ganzen restlichen Jahr, und die brauchst du für die nächste Spitze. Der Beitrag zu Google-Bewertungen für die KFZ-Werkstatt zeigt, wie das ohne Aufwand läuft.
Der nächste Termin wird sofort vorgemerkt. Wer die Räder einlagert, bekommt den Frühjahrstermin gleich mit. Wer sie mitnimmt, bekommt eine Erinnerung im März. So wird aus einem saisonalen Kunden ein Kunde mit zwei planbaren Terminen pro Jahr.
❌ Fünf Fehler, die dich die Reifenwechsel-Saison kosten
- Zu spät starten. Wer im Oktober beginnt, konkurriert mit allen anderen um dieselben Klicks zum höchsten Preis.
- Kein Terminsystem. Anfragen, die nur als Rückrufbitte im Notizblock landen, gehen in der Spitze verloren.
- Nur auf Neukunden schauen. Der Bestand ist billiger, schneller und zuverlässiger.
- Werbung ohne Preis. "Reifenwechsel bei uns" ist keine Aussage. "Radwechsel 39 Euro, Termin online in 60 Sekunden" ist eine.
- Nach der Spitze alles abschalten und im Februar von vorn anfangen. Die Kundenliste und die Bewertungen sind der Grundstock für die nächste Saison.
✅ Fazit: dein Fahrplan für die nächsten sechs Wochen
Die Nachfrage kommt von allein, das ist der angenehme Teil. Ob sie bei dir landet, entscheidest du vier Wochen vorher. Kundenliste sortieren, Erinnerungen aufsetzen, Profil und Terminbuchung prüfen, Anzeigen scharf machen, Prüfablauf im Team festlegen. Danach ist die Saison Handwerk statt Hektik.
Michael Ritter hat im vergangenen Jahr genau eine Sache verändert: Er hat seine Einlagerungskunden im September statt im Oktober angeschrieben. Die Randzeiten waren voll, bevor der Ansturm kam.
Du willst wissen, wo bei deinem Betrieb der größte Hebel für die kommende Saison liegt? Buch dir eine kostenlose Marketing-Analyse. Wir schauen uns dein Profil, deine Terminannahme und deine Kundenliste an und sagen dir konkret, was du in den nächsten vier Wochen anpacken solltest. Wenn du das Thema breiter angehen willst, findest du den Überblick unter Online-Marketing für Autowerkstätten.